MAX KORN

Firmenwebsite mit KI selbst erstellen: Reicht das?

Wann ein KI-Builder für deine Firmenwebsite reicht, was er laufend kostet und was du vor dem Livegang prüfen musst: Texte, Impressum, Datenschutz, Bilder, Google.

Beispiel eines KI-Website-Builders: Links steht der Auftrag für eine Bäckerei-Website, rechts die gestaltete Vorschau.

Ja, für viele kleine Unternehmen ist das eine legitime Lösung. Ein KI-Website-Builder oder Baukasten kann eine ordentliche Firmenwebsite liefern, wenn dein Angebot überschaubar ist, etwa bei einem Atelier, einer Praxis, einer Beratung oder einem kleinen Handwerksbetrieb. Dabei gibt es aber eine Einschränkung: Die KI erzeugt in kurzer Zeit einen Entwurf mit Texten und Bildern. Geprüfte Fakten, saubere Pflichtangaben und eine klare Positionierung liefert sie nicht. Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach dem Entwurf.

Ob das für dich reicht, hängt von wenigen prüfbaren Punkten ab. Dazu kommen realistische Kosten, die laufende Pflege und eine Prüfliste für die Zeit vor dem Livegang.

Wann ein KI-Selbstbau reicht und wann nicht

Die wichtigste Frage ist nicht, welches Tool du nimmst. Wichtiger ist, was die Website leisten soll. Eine digitale Visitenkarte zeigt, dass es dich gibt, was du anbietest und wie man dich erreicht. Ein Anfragekanal soll dagegen regelmäßig Aufträge bringen. Dafür müssen Aufbau, Texte und Kontaktwege deutlich genauer sitzen.

Kriterium spricht für Selbstbau spricht für Hilfe
Zweck Visitenkarte, Erreichbarkeit, seriöser Eindruck Website soll Hauptquelle für Anfragen sein
Umfang wenige Seiten, klar umrissene Leistungen viele Leistungen, Standorte oder Zielgruppen
Funktionen Kontaktformular, Galerie, Anfahrt Terminbuchung, Shop, Mehrsprachigkeit, Anbindung an andere Systeme
Zeit und Komfort du hast Zeit für Texte und traust dir Einstellungen und Rechtliches zu dir fehlt beides

Bei den Funktionen stoßen KI-Builder schnell an Grenzen. WordPress.com schreibt zum Beispiel auf seiner Support-Seite (Stand 18.09.2026), dass die KI E-Commerce-Funktionen und Integrationen derzeit nicht bauen kann. Diese Teile richtest du dann von Hand ein oder holst dir Unterstützung.

Als Faustregel gilt: Wenn du eine Visitenkarte mit überschaubarem Angebot brauchst und etwas Zeit hast, spricht fast alles für den Selbstbau. Soll die Seite als Anfragekanal funktionieren und braucht sie Buchung oder Integrationen, plane mindestens punktuelle Hilfe ein.

Zwei hypothetische Beispiele machen den Unterschied greifbar. Ein Atelier braucht vier Seiten: Start, Arbeiten, Über mich und Kontakt. Aufträge kommen vor allem über Empfehlungen, und die Website soll den guten Eindruck nur bestätigen. Das ist ein typischer Fall für den Selbstbau. Ein Handwerksbetrieb will dagegen über die Website gezielt Aufträge in seiner Region gewinnen, mehrere Leistungen einzeln darstellen und Anfragen strukturiert erfassen. Hier hängen Aufbau und Texte direkt mit dem Geschäft zusammen, und ein ungeprüfter Entwurf aus dem Chat trägt da nicht weit.

Zeit, Kosten und Pflege: womit du realistisch rechnen musst

Der erste Entwurf steht schnell. Die meiste Zeit brauchst du danach: Du schreibst Texte um, bis sie nach deinem Betrieb klingen, korrigierst Fakten, wählst eigene Fotos aus, erstellst Impressum und Datenschutzerklärung und prüfst die eingebundenen Dienste. Wie lange das dauert, hängt vor allem davon ab, wie gut du deine Inhalte vorher sortiert hast. Wer Leistungen, Einzugsgebiet und Fotos schon bereitliegen hat, ist deutlich schneller.

Bei den Kosten lohnt ein Blick auf die Struktur, nicht nur auf den Einstiegspreis. Diese Posten fallen laufend an:

  • Tarif pro Website: Abgerechnet wird je Site. Bei Wix gilt ein Premiumpaket zum Beispiel für genau eine Website.
  • Eigene Domain: Sie gibt es nur in bezahlten Tarifen. Gratis-Tarife laufen über eine Subdomain des Anbieters, bei Wix zusätzlich mit Wix-Branding. Der Gratisplan von Framer ist außerdem auf nicht-kommerzielle Nutzung ausgerichtet. Für einen Firmenauftritt kommen Gratis-Tarife deshalb nicht infrage.
  • Domain nach dem ersten Jahr: Bei WordPress.com ist die Domain ab dem Personal-Tarif nur bei jährlicher oder mehrjähriger Zahlung und nur im ersten Jahr inklusive.
  • KI-Nutzung: Anbieter begrenzen sie über Credits oder Nutzungslimits. Wie viel dein Tarif enthält, steht auf der Preisseite des Anbieters.
  • Zahlungsintervall: Prüfe, für welches Intervall ein Preis gilt. Bei WordPress.com ist monatliche Zahlung deutlich teurer als jährliche.

Zur Orientierung einige Preise, Stand 25.09.2026 laut den Preisseiten der Anbieter. Angezeigt wurden sie in US-Dollar. Bei WordPress.com kostet der Personal-Tarif bei jährlicher Zahlung 4 $ pro Monat und der Business-Tarif 25 $ pro Monat. Wer Personal monatlich bezahlt, zahlt 9 $. Framer nennt 10 $ (Basic) oder 30 $ (Pro) pro Monat; ob das für jährliche oder monatliche Abrechnung gilt, prüfst du beim Abschluss. Euro-Preise und Mehrwertsteuer können davon abweichen, deshalb solltest du den Endbetrag im Bestellprozess prüfen. Bei Wix ist der KI-Builder Harmony laut Wix in jedem Paket ohne Aufpreis enthalten. Eine Zahl für Wix nenne ich hier nicht; den aktuellen Preis zeigt dir die Wix-Preisseite. Eine kostenlose Testversion der Premiumpakete bietet Wix nicht an, wohl aber eine 14-tägige Geld-zurück-Garantie.

Bei der Pflege musst du zwei Dinge auseinanderhalten. WordPress.com ist ein gehosteter Dienst: Laut Support-Seite übernimmt der Anbieter dort Hosting, Updates, Sicherheit und Backups. Selbst gehostetes WordPress ist etwas anderes. Die Software von WordPress.org installierst du bei einem Hoster deiner Wahl, bezahlst Hosting und Domain separat und kümmerst dich selbst um Updates, Sicherheit und Backups. Ohne Technikerfahrung ist ein gehosteter Dienst für den Selbstbau die einfachere Wahl. Die Inhalte aktuell zu halten, bleibt in jedem Fall deine Aufgabe.

Vor dem Abschluss solltest du außerdem eine Frage klären: Kannst du deine Inhalte exportieren und die Domain mitnehmen, wenn du später wechseln willst? Je weniger sich mitnehmen lässt, desto aufwendiger wird ein Umzug. Im ungünstigsten Fall bedeutet er einen Neubau.

Vor dem Livegang: Texte, Rechtliches und Bilder prüfen

Die folgenden Punkte sind Prüffragen. Kein Tool und kein Generator macht deine Seite automatisch rechtssicher. Wenn du unsicher bist, hol dir eine fachkundige Rechtsberatung.

Texte und Fakten

KI-Texte können plausibel klingen und trotzdem falsch sein. Stimmen Leistungen, Qualifikationen, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten und Preise? Hat die KI Referenzen, Kundenstimmen, Auszeichnungen oder Zertifikate erfunden? Dann müssen sie raus. Und würde der Text genauso auf die Website eines Mitbewerbers passen? Dann fehlt genau das, was dich unterscheidet.

Impressum

§ 5 DDG verlangt von Anbietern geschäftsmäßiger, in der Regel entgeltlicher digitaler Dienste Angaben, die leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sind. Dazu gehören Name und Anschrift und Angaben für eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme einschließlich einer E-Mail-Adresse. Je nach Fall kommen Registereintrag, Umsatzsteuer-ID und zuständige Aufsichtsbehörde hinzu. Bei reglementierten Berufen verlangt das Gesetz zusätzlich Angaben zu Kammer, Berufsbezeichnung und berufsrechtlichen Regelungen. Prüf auch, ob das Impressum von jeder Seite aus erreichbar ist, etwa über den Footer.

Datenschutz und eingebundene Dienste

Nach Art. 13 DSGVO muss die Datenschutzerklärung unter anderem Folgendes nennen: wer verantwortlich ist und wie du erreichbar bist, zu welchen Zwecken und auf welcher Rechtsgrundlage Daten verarbeitet werden, wer sie erhält, ob sie in Drittländer gehen, wie lange sie gespeichert werden und welche Rechte Betroffene haben, einschließlich des Beschwerderechts. Ein generierter Mustertext hilft also nur, wenn er zu den Diensten passt, die deine Seite tatsächlich nutzt.

Typische Drittdienste sind laut der Hamburger Datenschutzaufsicht Statistik, Karten, eingebundene Videos und Social-Media-Buttons. Nach § 25 TDDDG dürfen Informationen nur mit Einwilligung auf dem Endgerät gespeichert oder von dort ausgelesen werden. Ausnahmen gibt es nur für Zugriffe, die für die Übertragung einer Nachricht oder für den ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich sind. Achte außerdem darauf, dass Cookie-Banner und Datenschutzerklärung dieselben Dienste nennen. Zwingt das Banner zu einer Entscheidung, darf Ablehnen nicht aufwendiger sein als Zustimmen. Pragmatisch betrachtet ist jeder Dienst, den du weglässt, ein Prüfpunkt weniger. Eine Wegbeschreibung als Text und ein einfacher Link zum Kartendienst können zum Beispiel eine eingebettete Karte ersetzen.

Bilder

Bei Stock- und Builder-Bildern solltest du den Lizenzumfang und eine mögliche Pflicht zur Namensnennung prüfen und den Lizenznachweis aufbewahren. Rein KI-generierte Inhalte sind nach aktueller Rechtslage grundsätzlich nicht urheberrechtlich geschützt. Kläre deshalb, ob du an solchen Bildern überhaupt exklusive Rechte hast; andere dürfen sie womöglich ebenfalls verwenden. Risikofrei sind sie trotzdem nicht, zum Beispiel wenn sie geschützten Werken ähneln. Seit dem 02.08.2026 gilt außerdem Art. 50 der KI-Verordnung: Wer realistisch wirkende, künstlich erzeugte oder manipulierte Bilder realer Personen, Orte oder Ereignisse (Deepfakes) verwendet, muss das offenlegen. Wie weit das bei gewöhnlichen Website-Bildern reicht, ist noch nicht einheitlich geklärt. Die klare Empfehlung lautet deshalb: Nimm echte Fotos für Team, Werkstatt und Arbeiten und setz KI-Bilder nur für neutrale Illustrationen ein.

Mobil, Kontakt und Google: Wird die Seite gefunden und genutzt?

Google bestraft Inhalte nicht allein deshalb, weil KI beteiligt war. Laut der Dokumentation von Google Search Central (zuletzt aktualisiert am 10.12.2025) zählen Genauigkeit, Qualität und Relevanz. Riskant wird es, wenn du mit KI viele Seiten ohne Mehrwert erzeugst. Das kann gegen die Spam-Richtlinie zu „scaled content abuse“ verstoßen. Google empfiehlt außerdem, automatisch erzeugte Seitentitel, Beschreibungen und Alt-Texte auf Richtigkeit zu prüfen. Für eine kleine Firmenwebsite heißt das: lieber wenige geprüfte Seiten als viele generierte.

Nach dem Livegang solltest du diese Schritte durchgehen:

  1. Wirklich veröffentlichen: Bei WordPress.com startet eine KI-Seite im Coming-Soon-Modus. Du musst sie also bewusst live schalten.
  2. Mobil prüfen: Google indexiert mit einem Smartphone-Crawler. Klick die Seite auf deinem eigenen Handy durch. Mobil sollten dieselben Inhalte zu sehen sein wie am Desktop, ohne dass Wichtiges ausgeblendet ist.
  3. Kontaktweg testen: Telefonnummer, E-Mail oder Formular sollten auf jeder Seite leicht zu finden sein. Schick dir selbst eine Testnachricht über das Formular.
  4. Indexierung prüfen: Eine Suche nach site:deinedomain.de zeigt dir einen Teil der Seiten, die Google kennt, aber nicht zwingend alle. Verlässlicher ist die kostenlose Search Console. Laut Google können Änderungen Stunden bis Monate brauchen, und Rankings garantiert niemand.
  5. Unternehmensprofil pflegen: Für lokale Betriebe solltest du das Google-Unternehmensprofil verifizieren und vollständig ausfüllen. Die lokale Sichtbarkeit hängt laut Google von Relevanz, Entfernung und Bekanntheit ab, nicht von der Website allein. Kaufen lassen sich Rankings dort nicht.

Wann sich Hilfe lohnt und welche

Zu den Kriterien aus der Tabelle kommen drei Fälle, in denen sich Unterstützung ebenfalls lohnt:

  • Du übst einen reglementierten Beruf aus und hast erweiterte Impressumspflichten.
  • Du willst Buchungs-, Formular- oder Trackingdienste einbinden.
  • Du ersetzt eine bestehende Website.

Hilfe muss nicht gleich ein komplettes Projekt sein. Manchmal reicht eine punktuelle Prüfung deiner selbst gebauten Seite. Fragen zu Impressum und Datenschutz gehören zu einer Rechtsberatung. Wenn die Website verlässlich Anfragen bringen soll, lohnt sich eine vollständige Konzeption und Umsetzung. Hast du schon eine Website, dann kläre vor einem KI-Neubau, ob du deine bestehende Website optimieren oder neu aufsetzen solltest.

Wenn du selbst loslegst, geh in dieser Reihenfolge vor:

  1. Kläre den Zweck: Visitenkarte oder Anfragekanal.
  2. Bereite die Inhalte vor: Leistungen, Region, Öffnungszeiten, eigene Fotos und die Angaben fürs Impressum.
  3. Wähl den Tarif mit Blick auf eigene Domain, Kosten nach dem ersten Jahr und Umzugsmöglichkeiten.
  4. Lass den KI-Entwurf erzeugen und überarbeite ihn gründlich.
  5. Arbeite die Prüfliste zu Texten, Recht und Bildern ab.
  6. Veröffentliche die Seite und prüf die Indexierung.

Konzeption und Umsetzung von Firmenwebsites biete ich als freiberuflicher Webdesigner an. Wenn das zu deinem Vorhaben passt, sprich mich gern an.

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