Deine Website soll neu. Ein Bekannter sagt Baukasten, die Agentur aus der Stadt hat ein Angebot geschickt, und ein Freelancer wäre wohl günstiger. Wen nimmst du?
Ein Baukasten reicht, wenn deine Website vor allem eine digitale Visitenkarte ist und du selbst Zeit für Aufbau und Pflege hast. Soll sie Anfragen bringen, ist ein Profi meist die bessere Wahl. Ob Freelancer oder Agentur, hängt am Umfang und daran, wer dich nach dem Launch betreut.
Ein Freelancer passt, wenn der Umfang klar ist und Vertretung und Betreuung schriftlich geregelt sind. Eine Agentur lohnt sich, wenn du mehrere Disziplinen gleichzeitig brauchst oder die Website laufend weiterentwickelt wird. Ich bin selbst Freelancer. Deshalb stehen die Nachteile von Freelancern hier genauso drin wie die der anderen Wege.
Die drei Wege nach fünf Kriterien
Preisspannen findest du in fast jedem Ratgeber dazu. Sie kommen meist von Anbietern, die selbst Websites verkaufen, und gehen je nach Quelle weit auseinander. Über deinen Fall sagen sie wenig. Mehr sagen dir die Posten dahinter: deine eigene Zeit, die laufende Pflege und der Aufwand, wenn du später wechseln willst.
| Kriterium | Baukasten | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|---|
| Rolle der Website | Visitenkarte: erreichbar und seriös | Anfragen gewinnen, klar umrissenes Angebot | Vertrieb, mehrere Zielgruppen oder Kampagnen |
| Deine eigene Zeit | viel, beim Aufbau und dauerhaft | Inhalte liefern, Entwürfe abnehmen | Inhalte liefern, mehr Abstimmungstermine |
| Individualität | im Rahmen der Vorlagen und Plattformfunktionen | nach Bedarf, begrenzt durch eine Person | nach Bedarf, mehrere Fachleute |
| Betreuung nach dem Launch | du selbst | nur, was vereinbart ist | vereinbart, mit Vertretung im Team |
| Typische Abhängigkeit | von der Plattform | von einer Person | von einer Organisation mit wechselnden Ansprechpartnern |
Die Tabelle zeigt die Richtung. Jetzt zu den Punkten, an denen ein Weg kippt.
Wann Selbstbau mit Baukasten reicht
Selbstbau reicht, wenn deine Website vor allem zeigen soll, dass es dich gibt. Dazu deine Leistungen und wie man dich erreicht. Das Angebot passt auf wenige Seiten, kaum Anfragen müssen über die Website laufen, und jemand im Betrieb arbeitet gern daran. Dann sparst du dir das Honorar.
Du bezahlst mit deiner Zeit. Aufbau, Texte, Bilder und später jede Änderung machst du selbst. Auch die rechtlichen Pflichten liegen komplett bei dir, vom Impressum bis zum Cookie-Banner.
Und du bindest dich an die Plattform. Bei Wix ist sie Teil des Modells: Laut Wix-Hilfe-Center muss eine Wix-Website als SaaS-Lösung auf den Servern von Wix laufen, externes Hosting unterstützt die Architektur nicht. Willst du später weg, baust du die Website neu, statt sie umzuziehen.
Wie andere Systeme damit umgehen, klärst du vor dem Start. Einen Überblick gibt der Vergleich, welches System zu deiner Firmenwebsite passt.
Du kannst auch selbst bauen und dir für Struktur, Startseite oder Texte punktuell Hilfe holen. Ob KI-Werkzeuge den Selbstbau tragen, ist eine andere Frage.
Selbstbau passt nicht mehr, sobald die Website verlässlich Anfragen bringen soll oder die Pflege seit Monaten liegen bleibt.
Wann ein Freelancer passt und wo sein größtes Risiko liegt
Ein Freelancer passt, wenn deine Website Anfragen bringen soll, der Umfang überschaubar ist und du einen festen Ansprechpartner willst. Also etwa eine typische Firmenwebsite mit einigen Leistungsseiten. Du redest direkt mit der Person, die plant und baut. Rückfragen laufen nicht über mehrere Stationen.
Genau da steckt auch das größte Risiko. Ein Freelancer ist eine einzelne Person. Wird sie krank oder ist sie ausgelastet, verzögert sich dein Projekt, und Änderungen nach dem Launch warten. Konzept, Texte, Design und Technik macht sie nacheinander statt parallel.
Freelancer unterscheiden sich außerdem stark. Ein Generalist ohne erkennbaren Ablauf ist ein anderes Risiko als jemand, der dir Schritte, Zuständigkeiten und Übergabe vorab erklärt. Frag danach, bevor du unterschreibst. Woran du einen guten Webdesigner erkennst, prüfst du an Referenzen, Erstgespräch und Angebot.
Gegen den Ausfall hilft Schriftliches. Vereinbar eine Vertretung und eine Wartung für die Zeit nach dem Launch. Lass dir alle Zugänge samt Dokumentation übergeben. Dann kann im Notfall jemand anders weitermachen.
Einen Kostenfaktor lassen viele Vergleiche weg. Beauftragst du selbstständige Gestalter, kann für dein Unternehmen die Künstlersozialabgabe anfallen. Laut Künstlersozialkasse sind Unternehmen abgabepflichtig, die für eigene Zwecke Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten vergeben. Voraussetzung ist, dass die Honorare den Grenzbetrag übersteigen. Ab 2026 liegt er bei 1.000 Euro im Jahr.
Der Abgabesatz wird jedes Jahr neu festgelegt. Für 2026 beträgt er laut KSK 4,9 Prozent, für 2027 sind 5,0 Prozent angekündigt. Die Zahlen stammen vom September 2026. Ob gestalterisches Webdesign in deinem Fall darunterfällt, klärst du mit der KSK oder deinem Steuerbüro.
Wann eine Agentur ihr Geld wert ist
Eine Agentur lohnt sich, wenn du mehrere Disziplinen gleichzeitig brauchst. Also Konzept, Design und Text plus Entwicklung, SEO und Kampagnen. Ebenso, wenn feste Termine nicht an einer Person hängen dürfen oder die Website laufend weiterentwickelt wird. Ihr Vorteil ist genau das, was beim Freelancer das Risiko ist: Vertretung und Kapazität im Team.
Im Gegenzug stimmst du dich mehr ab. Zwischen dir und den Umsetzern steht oft eine Projektleitung, und Ansprechpartner wechseln. Die Organisation bezahlst du mit. Bei einer kleinen Website mit klarer Leistung finanzierst du dann Strukturen, die du gar nicht nutzt.
Nehmen wir ein Fitnessstudio mit drei Standorten. Es startet seine neue Website und zugleich Anzeigenkampagnen für jeden Standort. Design, Texte, Technik und Kampagnen müssen zum selben Termin fertig sein. Da ist die Agentur die richtige Wahl.
Anders eine Dachdeckerei mit einer klaren Leistung, die vor allem Anfragen braucht. Da reicht ein Freelancer mit fester Wartungsvereinbarung und benannter Vertretung. Das deckt einen Teil der Sicherheit ab, für die du bei einer Agentur zahlst.
Was du bei jedem Weg selbst in der Hand behalten solltest
Ein paar Punkte entscheiden bei jedem Weg darüber, wie abhängig du später bist.
Die Domain gehört auf dein Unternehmen, nicht auf den Dienstleister. Für .de-Domains gilt laut DENIC: Der Domaininhaber stößt einen Providerwechsel an, indem er beim bisherigen Provider einen AuthInfo-Code anfordert. Der AuthInfo-Code ist eine Art Umzugspasswort für die Domain. Steht jemand anders als Inhaber drin, hängt jeder Wechsel an dieser Person.
Design, Texte, Bilder und Quellcode können urheberrechtlich geschützt sein. Fehlt eine klare Regelung im Vertrag, bleibt offen, ob du die Website ändern oder einem neuen Dienstleister übergeben darfst. Lass dir Nutzungs- und Bearbeitungsrechte deshalb schriftlich einräumen. Ob du den Quellcode rausbekommst, hängt auch am Vertrag. Regel das vorher.
Zugänge gehören zu dir: Website-Verwaltung, Hosting und Domain. Beim Baukasten genauso. Das Konto läuft auf dein Unternehmen, nicht auf eine Privatperson oder den Dienstleister.
Vorsicht bei Angeboten, die zu gut klingen. Die IHK Potsdam warnt vor Anbietern, bei denen aus einer kostenlosen Testphase ein mehrjähriges Abo für eine einfache Baukasten-Website wird. Das Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften hilft dir dann nicht, denn es gilt laut IHK nur für Verbraucher. Hol dir deshalb zuerst ein unverbindliches schriftliches Angebot.
Drei Fragen an dich, drei Fragen an Anbieter
Beantworte zuerst diese drei Fragen für dich:
- Soll die Website vor allem erreichbar sein, oder soll sie Anfragen und Aufträge bringen?
- Wie viele Stunden kannst du realistisch investieren, beim Aufbau und jeden Monat danach?
- Wer pflegt die Inhalte, und wer kümmert sich, wenn etwas nicht funktioniert?
Heißt deine Antwort auf die erste Frage „erreichbar“ und hast du bei der zweiten Zeit, kannst du selbst bauen. Sonst holst du dir einen Profi. Brauchst du bei der dritten dauerhafte Betreuung mit Vertretung, regelst du das beim Freelancer schriftlich oder schaust dir eine Agentur an.
Jedem Anbieter stellst du diese drei Fragen:
- Auf wen wird die Domain registriert, und bekomme ich alle Zugänge?
- Welche Nutzungs- und Bearbeitungsrechte bekomme ich, und kann ich später zu einem anderen Dienstleister wechseln?
- Wer übernimmt bei Ausfall oder Auslastung, und was umfasst die Betreuung nach dem Launch?
Schreib deine drei Antworten auf, bevor du das nächste Gespräch führst. Die Antworten der Anbieter lässt du dir schriftlich geben. Dann vergleichst du Angebote danach, was du nach dem Launch in der Hand hast, und nicht nach dem Preis allein.

