MAX KORN

Shopify oder WooCommerce? Was für kleine Firmen passt

Shopify oder WooCommerce für ein paar Produkte neben der Website? Wann welcher Weg passt, was laufend anfällt und welche Pflichten bleiben.

Die Logos von WooCommerce und Shopify nebeneinander, darunter: Plugin in deiner WordPress-Website, gemieteter Shop per Buy Button eingebettet

Ein paar Produkte sollen über deine Website laufen, vielleicht Gutscheine oder ein kleines Sortiment. Shopify oder WooCommerce, was nimmst du?

Vor allem hängt das an deiner heutigen Website und daran, wer den Shop später betreut. Läuft deine Firmenwebsite auf WordPress und kümmert sich jemand verlässlich um Updates, ist WooCommerce die naheliegende Wahl. Der Shop liegt dann direkt in deiner Website. Das Plugin Germanized ergänzt, was deutsche Shops brauchen, etwa den korrekt beschrifteten Bestellbutton.

Läuft die Website auf einem anderen System, oder pflegt sie niemand regelmäßig, ist Shopify der robustere Weg. Für wenige Produkte bettest du es per Buy Button in die bestehende Website ein. Für ein größeres Sortiment nimmst du einen eigenen Shop.

Welcher Weg zu deiner Website passt

Realistisch gibt es vier Wege. Der erste ist WooCommerce, ein Plugin für WordPress. Es ergänzt deine vorhandene Website um Warenkorb und Kasse. Das lohnt sich, wenn die WordPress-Website technisch aktuell ist und jemand sie pflegt.

Shopify ist dagegen eine gehostete Plattform. Du mietest den Shop, statt ihn selbst zu betreiben. Mit dem Buy Button bettest du einzelne Produkte in eine andere Website ein. Deine Kundschaft kauft dann, ohne deine Seite zu verlassen.

Laut Shopify Help Center ist der Buy Button in allen Shopify-Abos enthalten. Ein laufendes Abo brauchst du also auch dann, wenn du nur ein paar Produkte verkaufst.

Der dritte Weg ist ein eigener Shopify-Shop neben der Website, etwa auf einer Subdomain wie shop.deinedomain.de. Die Website bleibt, wo sie ist, und der Shop läuft getrennt davon. Der vierte Weg ist vorerst gar kein Shopsystem. Verkaufst du nur ab und zu auf Anfrage, reicht bis auf Weiteres eine Produktseite mit Kontaktmöglichkeit.

Nutzt du Framer, gibt es keinen eingebauten Shop. Eine Möglichkeit ist dann Shopify, per Buy Button oder über das Drittanbieter-Plugin Framer Commerce. Das Plugin stammt weder von Framer noch von Shopify. Ob dein Website-System insgesamt noch passt, klärt der Vergleich, welches Website-System zu deiner Firma passt.

Der Shop in der bestehenden Website reicht, solange das Sortiment überschaubar bleibt. Also wenige Produkte ohne viele Varianten, ein unkomplizierter Versand und gängige Zahlungsarten. Ein eigener Shop wird sinnvoll, wenn du viele Größen oder Farben pflegst oder Lagerbestände über mehrere Kanäle abgleichst. Auch dann, wenn du je nach Versandziel unterschiedliche Regeln brauchst oder das Sortiment absehbar wächst.

Eine feste Grenze bei der Produktzahl gibt es nicht. In beiden Fällen musst du klären, wer den Shop im Alltag betreut und wer die Technik aktuell hält.

Wer sich im Betrieb worum kümmert

Der größte Unterschied zeigt sich nicht beim Start, sondern im laufenden Betrieb.

WooCommerce Shopify
Wer betreibt die Technik du oder dein Dienstleister, auf eigenem Hosting Shopify
Updates und Sicherheit WordPress, WooCommerce und alle Plugins aktuell halten, Konflikte zwischen Plugins lösen Die Plattform pflegt der Anbieter, du kümmerst dich um Einstellungen und Apps
Erweiterungen Plugins, jedes mit eigenem Pflegeaufwand Apps von Drittanbietern
Umzug Daten liegen auf deinem Hosting Produktexport als CSV, ohne Bilder
Typisches Risiko veraltete Plugins und Sicherheitslücken Bindung an Tarife und das App-Angebot

Bei WooCommerce gehört zu jedem Update ein Blick auf den Bestellablauf, am besten mit einer Testbestellung. Bei Shopify fällt diese Arbeit weg. Dafür bestimmt der Anbieter, was die Plattform kann und was sie kostet.

Wie groß die Abhängigkeit ist, merkst du beim Umzug. Laut Shopify Help Center kannst du Produkte als CSV-Datei exportieren. Die Bilder sind darin aber nicht enthalten und müssen für einen Import im ursprünglichen Shop erreichbar bleiben. Sichere deine Produktbilder deshalb separat und kündige Shopify erst, wenn der Umzug durch ist.

Ist deine WordPress-Website schon veraltet oder seit Längerem ungepflegt, taugt sie kaum als Grundlage für einen Shop. Klär dann zuerst, ob sich deine Website optimieren lässt oder ein Relaunch fällig ist.

Was ein kleiner Shop laufend kostet

Bei beiden Systemen bestehen die Kosten aus denselben Bausteinen: Abo oder Plattform, Gebühren pro Verkauf, Erweiterungen, Hosting und Wartung. Verschieden ist nur, wo welcher Posten anfällt.

Laut Shopify kostet der Tarif Basic mit Stand 28.09.2026 36 € pro Monat bei monatlicher Zahlung und 27 € pro Monat bei jährlicher Zahlung. Daneben gibt es größere Tarife. Den günstigen Starter-Tarif, den manche Artikel noch empfehlen, gibt es laut Shopify Help Center für neue Shops nicht mehr.

Zum Abo kommen bei Shopify Gebühren pro Verkauf. Mit Shopify Payments, dem hauseigenen Zahlungsdienst, zahlst du im Basic-Tarif für Kartenzahlungen ab 2,1 % + 0,30 €. Nutzt du einen externen Zahlungsanbieter, berechnet Shopify im Basic-Tarif zusätzlich 2 % Transaktionsgebühr.

WooCommerce ist laut Anbieter kostenlos und kommt ohne monatliche Plattformgebühr aus. Hosting brauchst du trotzdem, Erweiterungen und Themes können etwas kosten, und jemand muss die Wartung übernehmen.

Für Kartenzahlungen bietet WooCommerce den Dienst WooPayments an. Laut Dokumentation kostet er in Deutschland für EU-Karten 1,5 % + 0,25 € pro Transaktion, zuzüglich 19 % USt auf die Gebühren (Stand 28.09.2026). Bei wenigen Bestellungen zählen deshalb vor allem die festen Posten: bei Shopify das Abo, bei WooCommerce Hosting und Wartung.

Shopify-Preise ändern sich. Eine Nachrichtenquelle nannte für Basic im Juli 2026 noch andere Beträge. Prüf die Angaben vor dem Abschluss deshalb auf der Seite des Anbieters.

Welche Pflichten dir kein Shopsystem abnimmt

Egal für welches System du dich entscheidest, diese Punkte bleiben bei dir:

  • Der Bestellbutton muss nach § 312j BGB mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer ebenso eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Lieferbeschränkungen und akzeptierte Zahlungsmittel musst du spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs angeben.
  • Verkaufst du an Verbraucher, brauchst du einen Widerrufsbutton. Er ist seit dem 19.06.2026 Pflicht (§ 356a BGB), für reine B2B-Shops gilt das nicht. Er trägt eine Beschriftung wie „Vertrag widerrufen“, ist gut sichtbar und hervorgehoben. Die Bestätigung folgt in einem zweiten Schritt.
  • Verkaufst du an Verbraucher, fällt dein Shop unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, außer die Ausnahme für Kleinstunternehmen greift.
  • AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung holst du dir von einer Kanzlei oder einem Rechtstext-Dienst.
  • Ob du dich im Verpackungsregister LUCID registrieren musst, hängt von deiner Rolle in der Lieferkette ab. Das Register bietet für Versand- und Onlinehändler einen eigenen Leitfaden.
  • Die EU-Plattform zur Online-Streitbeilegung ist seit dem 20.07.2025 eingestellt. Entferne den Link darauf aus Impressum und AGB. Der Hinweis nach § 36 VSBG zur Verbraucherschlichtung bleibt dagegen relevant.

In WooCommerce übernimmt Germanized die technische Seite vieler dieser Pflichten. Laut WordPress.org deckt schon die kostenlose Version die Button-Lösung, Grundpreise, Lieferzeiten und Checkboxen für AGB, Widerruf und Datenschutz ab. Die Texte selbst liefert Germanized nicht.

Die Widerrufsfunktion ist laut Hersteller vendidero ab Germanized 4.0 enthalten, alternativ gibt es dafür ein eigenes Plugin. Teste die Funktion vor dem Livegang.

Bei Shopify ist umstritten, ob die Standardbeschriftung des Bestellbuttons reicht: Shopify selbst hielt 2021 „Jetzt kaufen“ für ausreichend, andere Quellen nennen „zahlungspflichtig bestellen“ die sicherste Formulierung. Stell die Beschriftung deshalb auf „zahlungspflichtig bestellen“ um. Das geht über die Standardtexte des Themes.

Für den Widerrufsbutton gibt es im Shopify App Store mehrere Apps von Drittanbietern. Das Angebot ist noch jung. Eine Pflichtfunktion deines Shops hängt dann an einer zusätzlichen App.

Bevor du dich entscheidest: drei Dinge notieren

Schreib dir drei Dinge auf, auf Papier oder in einer einfachen Tabelle:

  • Wie viele Produkte du anbietest und in welchen Varianten, etwa Größen, Farben oder Gutscheinwerte.
  • Wie und wohin du versendest: nur innerhalb Deutschlands, auch in die EU, als Abholung vor Ort oder als digitaler Gutschein.
  • Welche Zahlungsarten deine Kundschaft erwartet, zum Beispiel Karte, PayPal, Rechnung oder Vorkasse.

Notier auch, wer sich im Betrieb um Shop und Technik kümmert. Dann hältst du deine Notizen neben die Kriterien aus dem ersten Abschnitt.

Nehmen wir einen Fahrradladen mit Framer-Website, der eine Handvoll Fahrradtaschen und Gutscheine verkaufen will. Die Taschen gibt es in zwei Größen, versendet wird nur innerhalb Deutschlands. Um die Website-Technik kümmert sich im Betrieb niemand. WooCommerce fällt damit weg, und ein eigener Shop wäre für dieses Sortiment zu groß. Passend ist ein Shopify-Abo, dessen Produkte in die bestehende Framer-Website eingebunden werden.

Wenn du beim Einbinden eines Shops in deine bestehende Website Unterstützung brauchst, helfe ich dir dabei.

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