Du hast Angebote für deine neue Website eingeholt, und die Summen liegen weit auseinander. Das eine kostet deutlich mehr als das andere, dabei hast du überall dasselbe angefragt. Ist das teure Angebot überzogen, oder fehlt beim günstigen etwas?
Meistens weder noch. Die Angebote meinen unterschiedliche Dinge, auch wenn überall „Website“ draufsteht. Einen belegbaren Durchschnittspreis, an dem du deine Angebote messen könntest, gibt es nicht. Vergleich deshalb nicht die Endsummen, sondern den Umfang.
Auch die Preisspannen im Netz helfen dir da kaum. Sie kommen meist von Anbietern selbst, und woher die Zahlen stammen, steht nicht dabei.
Warum deine Angebote so weit auseinanderliegen
Es gibt keine feste Liste, was zu „einer Website“ gehört. Jeder Anbieter schneidet sein Angebot anders zu. Zwei Angebote über „5 Seiten, responsive“ können deshalb völlig verschiedene Leistungen meinen. Wie viel Arbeit dahintersteckt, steht da nicht.
Hinter dem Preisunterschied stecken meist drei Annahmen: Vorlage oder eigenes Design. Baukasten oder CMS. Und wer die Inhalte liefert, du oder der Anbieter.
Sagen wir, ein Blumenladen holt für eine Website mit fünf Seiten drei Angebote ein. Angebot A ist eine Baukasten-Website mit Vorlage. Texte und Bilder liefert der Laden selbst. Angebot B hat ein eigenes Design und überarbeitet die vorhandenen Texte. Angebot C schreibt die Texte neu und bringt ein Fotoshooting mit. Der Abstand zwischen A und C kommt von diesen Posten, nicht von teureren Stundensätzen.
Die Stundensätze von Agentur oder Freelancer helfen dir beim Vergleich auch nur begrenzt. Ein belegter Bezugspunkt ist der Vergütungstarifvertrag Design (VTV) von AGD und SDSt. In der am 1. September 2022 unterzeichneten Fassung nennt er 120 € netto pro Stunde für strategische und 105 € für konzeptionelle und operative Designleistungen. Das ist ein Richtwert aus einem Tarifvertrag für Designarbeit, kein Marktpreis für eine komplette Website.
Nimm einen Preisunterschied deshalb erst mal als Unterschied im Umfang. Erst wenn der Umfang gleich ist, sagt dir der Preis, ob ein Angebot zu hoch oder zu niedrig liegt.
Woran der Preis hängt
Bei den Seiten zählt weniger die Anzahl als die Zahl der unterschiedlichen Layouts. Zehn gleich aufgebaute Leistungsseiten brauchen weniger Konzept- und Designarbeit als eine Startseite, eine Referenzübersicht und ein Blog mit jeweils eigenem Layout. Deshalb gehört ins Angebot, welche Seiten und Seitentypen gemeint sind.
Beim Design gibt es zwei Wege: eine Vorlage anpassen oder ein eigenes Design entwerfen. Die Vorlage ist günstiger, weil Aufbau und Gestaltung schon da sind. Dafür lebst du mit den Grenzen der Vorlage. Steht im Angebot nur „modernes Design“, frag nach, welche Variante gemeint ist.
Jede Funktion ist ein eigener Posten: Kontaktformular und Terminbuchung, Shop und Mehrsprachigkeit, eingebundene Karten und Videos. Führ sie im Vergleich einzeln auf, sonst gehen sie in einer Pauschale unter.
Bei Shop und Buchung kommt noch die Barrierefreiheit dazu. Laut FAQ der Bundesfachstelle Barrierefreiheit fallen rein informative Präsentationswebsites voraussichtlich nicht unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Erfasst sind Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, etwa ein Shop oder eine Buchung.
Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Mio. € Umsatz oder Bilanzsumme sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Hat ein Angebot Shop oder Buchung drin, frag nach, ob und wie Barrierefreiheit darin berücksichtigt ist.
Ob CMS oder Baukasten, das beeinflusst den Aufwand beim Aufbau und die Kosten danach. Die Systemwahl ist eine eigene Entscheidung: Lies dazu, welches System zu deiner Firmenwebsite passt. Für deinen Vergleich reicht es, wenn jedes Angebot das System beim Namen nennt.
„SEO inklusive“ kann alles heißen, von ausgefüllten Seitentiteln bis zu einer Keyword-Recherche. Frag nach, welche Arbeitsschritte da konkret drinstecken.
Was in vielen Angeboten fehlt
Zuerst die Inhalte. Klär bei jedem Angebot, wer die Texte schreibt oder überarbeitet und wer die Bilder liefert. Wer kümmert sich um die Bildlizenzen, und wer pflegt alles ins System ein? Lässt ein Angebot diese Arbeit bei dir, ist es nicht günstiger, sondern kleiner.
Dann die Korrekturschleifen. Wie viele sind drin, und was kostet die Stunde, wenn es über den vereinbarten Umfang hinausgeht? Beides wirkt direkt auf den Preis. Fehlt beides im Angebot, weißt du nicht, was dich eine vierte Änderungsrunde kostet.
Genauso wichtig ist die Abnahme. Damit bestätigst du, dass die Website vertragsgemäß fertig ist. Gilt für dein Projekt Werkvertragsrecht, darfst du die Abnahme nach § 640 BGB wegen unwesentlicher Mängel nicht verweigern. Lässt du eine angemessene Frist verstreichen, ohne unter Angabe mindestens eines Mangels abzulehnen, gilt das Werk als abgenommen. Leg deshalb vorher fest, was bei der Abnahme geprüft wird und wie.
Nutzungsrechte regeln, was du mit der gestalteten Website und ihren Inhalten tun darfst. Sind die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, bestimmt laut § 31 Abs. 5 UrhG der gemeinsame Vertragszweck den Umfang der Rechte. Lass deshalb im Angebot festhalten, ob die Rechte einfach oder ausschließlich eingeräumt werden und ob du die Website bearbeiten oder von jemand anderem weiterführen lassen darfst. Bei einfachen Rechten darf der Anbieter dasselbe Design auch anderen überlassen, bei ausschließlichen nur dir.
Der VTV vergütet die Einräumung von Nutzungsrechten getrennt von der Arbeit. Das teurere Angebot enthält also vielleicht Rechte, die im günstigeren fehlen.
Bleiben Zugänge, Übergabe und Schulung. Frag, auf wen Domain, Hosting und der Admin-Zugang zum CMS registriert werden und was du am Ende übergeben bekommst. Und ob eine Einweisung drin ist, damit du Inhalte später selbst pflegen kannst.
Leg deine Angebote nebeneinander
Mit einer Tabelle machst du aus zwei oder drei unterschiedlich gegliederten Angeboten einen Vergleich. So gehst du vor:
- Ordne jede Position jedes Angebots einer Zeile der Tabelle zu. Was keiner Zeile entspricht, bekommt eine eigene.
- Markiere jede Zelle mit „enthalten“, „fehlt“ oder „unklar“.
- Bitte Anbieter mit Pauschalpreis, die Pauschale in Posten aufzuschlüsseln.
- Schick allen Anbietern dieselben Nachfragen. Liegen die Angebote danach noch weit auseinander, gib allen dasselbe Briefing und frag nach den Annahmen hinter den abweichenden Positionen.
Für den Blumenladen von oben könnte das so aussehen:
| Posten | A | B | C |
|---|---|---|---|
| Seiten und Seitentypen | unklar | enthalten | enthalten |
| Design | Vorlage | individuell | individuell |
| Funktionen | enthalten | enthalten | unklar |
| System | Baukasten | CMS | CMS |
| Texte | fehlt | überarbeitet | neu geschrieben |
| Bilder und Lizenzen | fehlt | unklar | Shooting, Lizenz unklar |
| Einpflegen der Inhalte | fehlt | enthalten | enthalten |
| Korrekturschleifen und Abnahme | unklar | enthalten | unklar |
| Stundensatz für Mehraufwand | fehlt | enthalten | enthalten |
| Nutzungsrechte | unklar | unklar | enthalten |
| Zugänge und Übergabe | unklar | enthalten | enthalten |
| Schulung | fehlt | unklar | enthalten |
| Impressum, Datenschutz, Cookie-Lösung | unklar | unklar | enthalten |
| Einmalig oder laufend (Laufzeit) | laufend, Laufzeit unklar | einmalig | einmalig |
Die letzte Zeile trennt die einmaligen Projektkosten von allem, was nach dem Launch laufend anfällt, etwa Hosting oder Wartung. Diese laufenden Kosten sind ein eigenes Thema.
Wenn aus der Testphase ein Abo wird
Die IHK Potsdam warnt vor Website-Angeboten, die nach einer kostenlosen Testphase zu mehrjährigen Abos werden. Als Unternehmen hilft dir dabei kein Widerrufsrecht, denn es gilt nur für Verbraucher. Lass dir deshalb vor jeder Zusage ein unverbindliches schriftliches Angebot geben.
Welches Angebot reicht dir?
Das günstige Vorlagen- oder Baukasten-Angebot reicht, wenn du wenige Seiten und keine besonderen Funktionen brauchst, Texte und Bilder schon hast und mit den Grenzen der Vorlage klarkommst. Zugänge und Laufzeit müssen dabei klar geregelt sein. Das teurere Angebot lohnt sich, wenn es genau die Posten abdeckt, die du sonst selbst machen oder später nachkaufen müsstest: Texte, Bilder, die Schulung.
Trag deine Angebote jetzt in die Tabelle ein, in Google Sheets oder auf Papier. Jede Zelle mit „fehlt“ oder „unklar“ wird zu einer Frage. Schick diese Fragen im gleichen Wortlaut an alle Anbieter. Erst mit den Antworten vergleichst du Preise für denselben Umfang.

