Dein Webdesigner wartet auf die Texte, und bei dir liegt seit Wochen ein leeres Dokument. Lässt du die Website-Texte jetzt schreiben oder schreibst du sie selbst, vielleicht mit KI?
Bei einer kleinen Firmenwebsite ist Selbstschreiben meist die richtige Wahl, und KI kann dir beim Formulieren helfen. Das passt, solange du wenige Seiten brauchst und dir die Zeit dafür nehmen kannst. Einen Texter holst du dazu, wenn Startseite und zentrale Leistungsseiten Anfragen bringen müssen und dir Zeit oder Schreibroutine fehlen.
Auf jedem Weg kommen die Antworten auf die Fragen deiner Kunden von dir. Abgeben kannst du nur das Formulieren.
Welcher Weg zu deiner Lage passt
Die drei Wege schließen sich nicht aus, du kannst sie Seite für Seite kombinieren. KI ist dabei streng genommen kein eigener Weg, sondern ein Werkzeug. Sie hilft dir oder einem Texter beim Formulieren. Über dein Unternehmen weiß sie nur das, was du ihr selbst sagst.
Die Tabelle zeigt, wann welcher Weg passt, was du jeweils selbst liefern musst und woran er scheitern kann. Ob du fürs Selbstschreiben gerüstet bist, zeigt ein einfacher Test. Kannst du am Telefon sicher erklären, was du für wen machst? Dann hast du den Inhalt schon im Kopf.
| Weg | Passt, wenn … | Was du selbst liefern musst | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Selbst schreiben | wenige Seiten, du erklärst dein Angebot täglich, der Launch verträgt die Schreibzeit | Inhalt und Formulierung | Die Texte bleiben liegen und blockieren den Launch |
| Selbst schreiben mit KI-Hilfe | du hast Stichpunkte, aber wenig Schreibroutine | Inhalt, Kontext und die Prüfung jeder Angabe | erfundene Angaben und austauschbarer Ton |
| Texter beauftragen | Seiten müssen verkaufen, wenig Zeit, viele Seiten auf einmal | Inhalt als Briefing, Freigabe, Klärung der Rechte | generischer Text ohne gutes Briefing, ungeklärte Nutzungsrechte |
Oft ist eine Mischform am sinnvollsten. Die Über-uns-Seite und fachliche Detailseiten schreibst du besser selbst, weil dort deine Perspektive und dein Fachwissen zählen. Für Startseite und zentrale Leistungsseiten holst du dir Unterstützung, sobald du beim Formulieren nicht weiterkommst. Die Reihenfolge bleibt in jedem Fall gleich. Erst kommt das eigene Material und dann die Entscheidung, wer formuliert.
Was KI bei Website-Texten kann und wo sie Fehler macht
KI ist stark, wenn du ihr Material gibst. Aus deinen Stichpunkten macht sie eine Gliederung oder einen Rohentwurf. Sie formuliert umständliche Sätze um, kürzt zu lange Absätze und schlägt Varianten für Überschriften vor. Fehlt ihr der Kontext zu Unternehmen, Zielgruppe und Angebot, liefert sie austauschbare Texte. Die könnten genauso beim Wettbewerber stehen.
Die typischen Fehler sind vorhersehbar: Floskeln statt Substanz und ein Ton ohne eigene Perspektive. Dazu ein erster Entwurf, der ungeprüft als fertig durchgeht. Heikler sind erfundene Fakten. KI ergänzt gern plausibel klingende Angaben. Typisch sind Erfahrungsjahre, Qualifikationen und Zertifikate oder Leistungen, die du gar nicht anbietest.
Laut einer Einschätzung der Wirtschaftskanzlei CMS gilt KI als Werkzeug des Werbenden. Wer sie im Marketing einsetzt, haftet für Wettbewerbsverstöße, auch wenn die ganze Webpräsenz KI-generiert ist.
Behandle jeden KI-Text deshalb als Rohentwurf und prüf ihn vor der Veröffentlichung:
- Jede Zahl, jede Qualifikation und jedes Zertifikat im Text stimmt und lässt sich belegen.
- Jede genannte Leistung bietest du wirklich an, und zwar im beschriebenen Umfang.
- Floskeln sind gestrichen, jeder Satz sagt etwas über dein Angebot.
- Wo der Text allgemein bleibt, steht jetzt ein Beispiel aus deinem Arbeitsalltag.
- Laut gelesen klingt der Text nach dir. Wenn nicht, ist er noch nicht veröffentlichungsreif.
Zur Sorge um Google reicht ein Satz: Google hat im Februar 2023 erklärt, dass es auf die Qualität eines Inhalts ankommt, nicht darauf, wie er erstellt wurde. Wo Google die Grenze zieht und wann du kennzeichnen musst, steht im Ratgeber zu KI-Texten auf der Firmenwebsite.
Wann sich ein Texter lohnt und was er von dir braucht
Neben den Bedingungen aus der Tabelle bringt ein Texter etwas mit, das du selbst kaum hast: den Blick von außen. Der hilft, wenn du so tief in deinem Fach steckst, dass dir Fachbegriffe nicht mehr auffallen.
Deine Vorarbeit ersetzt er aber nicht. Ohne Material schreibt auch ein Profi generisch. Über das Ergebnis entscheiden die Vorrecherche und dein Briefing.
In dein Briefing gehören:
- die Kundenfragen je Seite mit deinen Antworten in Stichpunkten,
- die Seitenstruktur und was auf welche Seite gehört,
- deine Zielgruppe und die Situation, in der sie nach dir sucht,
- was du ausdrücklich nicht machst,
- Beispiele aus deinem Alltag und die Wörter, die deine Kunden selbst benutzen.
Frag bei der Auswahl nach, wie der Texter arbeitet. Er sollte für Leser schreiben und trotzdem die Grundlagen verstehen, wie Menschen nach deinem Angebot suchen.
Kläre außerdem die Rechte an den Texten, denn mit der Bezahlung gehen nicht automatisch alle Rechte auf dich über. Sind die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, bestimmt laut § 31 Abs. 5 Urheberrechtsgesetz der Vertragszweck, auf welche Nutzungsarten sich das Recht erstreckt.
Halte deshalb schriftlich fest, ob du die Texte exklusiv nutzt und ob du oder dein Webdesigner sie später bearbeiten dürft. Regle auch, ob sie außerhalb der Website verwendet werden dürfen, etwa auf Flyern oder in Social Media. Sonst kommt die Frage erst bei der nächsten Überarbeitung auf den Tisch.
Mit Kundenfragen anfangen, egal welchen Weg du wählst
Leg zuerst fest, welche Seiten deine Website haben wird. Die Struktur bestimmt, welche Texte du überhaupt brauchst. Wenn das noch offen ist, klär vorher: Reicht ein Onepager oder brauchst du mehrere Seiten? Kennt dein Webdesigner die Seitenstruktur schon, lass dir von ihm die Fragen je Seite geben.
Dann notierst du für jede Seite die Fragen, die Kunden dir am Telefon oder im Erstgespräch stellen. Zwei Seitentypen tragen dabei die meiste Last:
- Die Startseite ist ein Wegweiser, kein Katalog. Sie beantwortet schnell, was Besucher bei dir bekommen, für wen das Angebot gedacht ist und warum sie weiterlesen sollten.
- Eine Leistungsseite erklärt, für wen die Leistung ist, in welcher Situation sie hilft, welchen Nutzen sie bringt und wie der Ablauf aussieht. Dazu kommen Voraussetzungen, Grenzen, die Logik hinter dem Preis und der nächste Weg zum Kontakt.
Die Antworten schreibst du in Stichpunkten auf, so wie du sie einem Kunden sagen würdest. Fang mit dem Problem des Kunden an, nicht mit deinem Unternehmen.
Nehmen wir ein kleines Übersetzungsbüro, das die Leistungsseite „Fachübersetzungen“ vorbereitet. Kunden fragen, ob der Text vorher angesehen wird, wer sich um das Korrekturlesen kümmert und ob sie während der Arbeit für Rückfragen erreichbar sein müssen. Außerdem wollen sie wissen, wovon der Preis abhängt.
Die Stichpunkte lauten dann etwa:
- Sichtung vor jedem Angebot
- Korrekturlesen über eine Partnerübersetzerin
- Rückfragen nur zum Start nötig
- Preis abhängig von Umfang, Fachgebiet und Korrekturschleife
Damit steht der Kern der Seite, bevor ein einziger Satz ausformuliert ist.
Diese Stichpunkte sind auf jedem Weg dein Ausgangsmaterial. Du formulierst sie selbst aus, gibst sie der KI als Kontext oder schickst sie dem Texter als Briefing.
Schreib die Seitenliste deiner neuen Website auf und beantworte zu jeder Seite die drei Fragen, die Kunden dir am häufigsten stellen. Danach entscheidest du Seite für Seite, wer formuliert. Wenn die Seitenstruktur noch nicht feststeht, lege ich sie gern vor den ersten Texten mit dir fest.

