MAX KORN

Website-Relaunch und SEO: Weiterleitungen richtig planen

Website-Relaunch ohne Rankingverlust: Wie deine 301-Weiterleitungsliste entsteht, was du vor und nach dem Livegang prüfst und was beim Domainwechsel gilt.

Tabelle auf dem Bildschirm eines Fliesenlegers ordnet alten Adressen die neuen zu, mit 301-Weiterleitungen und einem 410 für eine entfallene Seite

Deine Website bekommt ein neues Design, vielleicht auch ein neues System. Und du hast gehört, dass so ein Website-Relaunch Rankings kosten kann. Stimmt das?

Nicht zwangsläufig. Voraussetzung ist, dass jede alte Adresse per serverseitiger, permanenter Weiterleitung (301) auf die inhaltlich passende neue Seite zeigt. Mit vorübergehenden Schwankungen musst du trotzdem rechnen. Bleiben alle Adressen gleich, etwa bei einem reinen Hosting-Wechsel, brauchst du gar keine Weiterleitungen.

SEO beim Website-Relaunch heißt vor allem Weiterleitungen planen, vor dem Livegang prüfen und danach kontrollieren. Wenn du noch abwägst, ob sich ein Relaunch überhaupt lohnt, fang dort an.

Warum neue Adressen Rankings kosten können

Google hat deine Seiten unter ihren bisherigen Adressen im Index. Andere Websites verlinken darauf, Kunden haben Lesezeichen gesetzt. Führt eine dieser Adressen nach dem Livegang auf eine Fehlerseite (404), landen Besucher im Leeren, und die Links von außen zeigen ins Nichts. Google muss die neue Seite dann erst finden und neu einordnen.

Neue Adressen entstehen öfter, als es auf den ersten Blick aussieht. Typische Auslöser sind ein neues Website-System, eine neue Seitenstruktur oder eine neue Domain. Auch wenn Endungen wie .html wegfallen, ändern sich Adressen. Dasselbe passiert bei der Umstellung auf HTTPS oder auf die Variante mit oder ohne www.

Ändert sich die Adresse in der Browserzeile, braucht die alte Adresse eine Weiterleitung. Das ist die ganze Prüfregel. Beim Hosting-Wechsel aus dem Einstieg genügt laut Google die Umstellung des DNS. Dieser Eintrag verbindet deine Domain mit dem Server. Dasselbe gilt beim Wechsel des CDN, dem Servernetz, das deine Inhalte ausliefert.

Bei der Art der Weiterleitung gibt es einen Unterschied, der zählt. Laut Google erscheint nur bei permanenten Weiterleitungen (301 oder 308) das Ziel in den Suchergebnissen und gilt als kanonisch, also als maßgebliche Version. Bei temporären Weiterleitungen (302 oder 307) bleibt die alte Adresse sichtbar.

Außerdem sollte die Weiterleitung auf dem Server passieren. Eine Weiterleitung per JavaScript ist laut Google nur eine Notlösung, wenn nichts anderes geht.

So entsteht die Weiterleitungsliste

Die Weiterleitungsliste ist eine Tabelle mit vier Spalten: alte URL, neue URL, Status und Priorität. Sie ist das Arbeitsdokument zwischen dir und deinem Dienstleister. Daran kontrollierst du, ob keine Seite vergessen wurde.

Vollständig wird sie nur aus mehreren Quellen. Ein Crawler ruft deine Website wie eine Suchmaschine Link für Link ab und findet so alle intern verlinkten Seiten. Dazu kommen die XML-Sitemap und ein Export aus dem CMS, damit auch Seiten auftauchen, auf die kein Menü mehr zeigt. PDFs und andere Dateien, die von außen verlinkt oder in Google zu finden sind, gehören ebenfalls auf die Liste.

Für die Priorität empfiehlt Google, wichtige Adressen über Sitemaps, Serverlogs, Analytics und die Link-Berichte der Search Console zu ermitteln. Praktisch heißt das: Seiten mit vielen Klicks aus der Suche, mit Links von außen und mit Anfragen bekommen die höchste Priorität.

Exporte aus Search-Console-Berichten sind laut Google auf 1.000 Zeilen repräsentativer Beispiele gekürzt, Stand September 2026. Zum Priorisieren reicht das, als vollständige Liste nicht.

Bei der Zuordnung gelten drei Regeln:

  • Jede alte Seite zeigt auf die neue Seite mit gleichwertigem Inhalt.
  • Hast du mehrere alte Seiten zu einer zusammengelegt, zeigen alle auf diese thematisch passende neue Seite.
  • Inhalte, die bewusst wegfallen, bekommen keine Weiterleitung, sondern den Status 404 (nicht gefunden) oder 410 (dauerhaft entfernt).

Viele alte Adressen gesammelt auf die Startseite umzuleiten, ist keine Abkürzung. Google rät von Weiterleitungen auf ein einziges unpassendes Ziel wie die Startseite ab.

Stell dir einen Fliesenleger vor, der von einem Baukasten auf ein neues System wechselt. Ein Ausschnitt seiner Liste könnte so aussehen:

Alte URL Neue URL Status Priorität
/leistungen/badsanierung.html /badsanierung/ 301 hoch
/fliesen.html /fliesenarbeiten/ 301 mittel
/fliesenarbeiten.html /fliesenarbeiten/ 301 mittel
/leistungen/kaminbau.html – 410 niedrig

Die zwei Fliesenseiten wurden zusammengelegt. Den Kaminbau bietet der Betrieb nicht mehr an, deshalb bekommt die alte Seite 410.

Die Liste exportieren und die wichtigen Seiten markieren kannst du selbst. Die Zuordnung prüft ihr gemeinsam, denn du weißt am besten, welche neue Seite inhaltlich wirklich passt. Die Technik übernimmt dein Dienstleister. Am Ende lässt du dir die fertige Liste übergeben.

Was vor dem Livegang geprüft sein muss

Diese Checkliste kannst du bei deinem Dienstleister einfordern und abhaken, ohne selbst Code anzufassen:

  • Jede alte Adresse führt in einem Schritt zum Ziel. Google rät von Ketten über mehrere Stationen ab. Das betrifft auch ältere Weiterleitungen aus früheren Umbauten.
  • Die Liste ist getestet, und jede alte Adresse liefert den Status aus ihrer Zeile. Einzelne Adressen lassen sich laut Google mit dem URL-Prüftool der Search Console testen, viele auf einmal per Skript.
  • Sperren aus der Testphase sind raus. Auf der Staging-Umgebung, der nicht öffentlichen Testversion, verhindern oft ein noindex oder eine Sperre in der robots.txt die Indexierung. Bleiben sie stehen, kommt die neue Website nicht in den Index.
  • Jede neue Seite verweist per Canonical auf sich selbst, nicht auf die Testdomain. So empfiehlt es Google für die neuen Adressen.
  • Menüs, Buttons und Links im Text zeigen direkt auf die neuen Adressen statt über Weiterleitungen. Eine neue XML-Sitemap liegt bereit.
  • Ein Crawl der alten Website ist gespeichert. Laut der Dokumentation von Screaming Frog dient dieser Basis-Crawl als Vergleich und Backup.

Plane außerdem genug Serverkapazität ein, denn nach einem Umzug crawlt Google laut eigener Dokumentation intensiver. Die übrigen Punkte wie Formular, Impressum und Backups stehen in der Checkliste vor dem Livegang.

Nach dem Umzug: normale Schwankung oder echtes Problem?

Die Schwankungen aus dem Einstieg haben laut Google einen Grund: Die neuen Adressen werden neu gecrawlt und indexiert. Bei kleinen bis mittleren Websites dauert es mehrere Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind, bei größeren länger. Genaue Prozentwerte für einen normalen Rückgang nennt Google nicht. Zahlen aus dem Netz taugen deshalb nicht als Maßstab.

Direkt nach dem Livegang reichst du die neue Sitemap in der Search Console ein. Außerdem lässt du die alte Adressliste noch einmal prüfen, diesmal mit einem Crawler, der den Weiterleitungen folgt. So fallen falsche Ziele und Ketten sofort auf.

Ein echtes Problem erkennst du eher an Mustern als am Gesamtverlauf. Diese Signale nimmst du ernst:

  • Die 404-Fehler in der Search Console steigen an.
  • Wichtige neue Seiten tauchen im Bericht zur Seitenindexierung als nicht indexiert auf.
  • Alte Adressen bleiben nach Wochen noch im Index.
  • Einzelne wichtige Seiten verlieren deutlich, während der Rest stabil bleibt.

Prüf dann zuerst die Zeilen dieser Seiten in der Weiterleitungsliste.

Wie lange die Weiterleitungen bleiben müssen, formuliert Google an zwei Stellen unterschiedlich. Die Dokumentation zum Website-Umzug sagt: so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr. Die Hilfe zur Adressänderung nennt mindestens 180 Tage oder länger.

Am besten behältst du die Weiterleitungen dauerhaft. Sie kosten kaum Aufwand, und alte Links und Lesezeichen funktionieren weiter.

Sonderfall Domainwechsel

Ziehst du auf eine neue Domain um, gilt alles bisher Gesagte. Dazu kommt das Tool zur Adressänderung in der Search Console. Es ist laut Google nur für Umzüge zwischen Domains oder Subdomains gedacht. Die Umstellung auf HTTPS, auf eine Variante mit oder ohne www und geänderte Pfade brauchen Weiterleitungen, aber nicht dieses Tool.

Damit das Tool funktioniert, muss die alte Startseite per 301 auf die neue zeigen. Außerdem müssen beide Domains als Properties in der Search Console mit demselben Konto bestätigt sein. Das Tool bleibt dann 180 Tage aktiv.

Die alte Domain solltest du laut Google mindestens ein Jahr weiter bezahlen, damit Dritte sie nicht übernehmen und missbrauchen. Mehrere Umzüge hintereinander (A → B → C) sollen nicht verkettet werden.

Bleibt die Frage, ob Domainwechsel und Redesign zusammen passieren sollen. Google empfiehlt, nur eine Sache auf einmal zu ändern. Kannst du beides zeitlich trennen, zieh zuerst die Domain mit unveränderter Struktur um und mach das Redesign danach. Geht dann etwas schief, weißt du, welche Änderung es ausgelöst hat.

Lässt sich das alte System nicht weiterbetreiben, etwa weil es niemand mehr pflegt, machst du beides zusammen. Dann brauchen die Weiterleitungsliste und die Kontrolle nach dem Livegang besonders viel Sorgfalt.

Zuerst die alten Adressen sammeln

Stell die Liste deiner alten Adressen zusammen, bevor jemand mit dem Umbau anfängt. Speichere die XML-Sitemap und exportiere im Leistungsbericht der Search Console die Seiten. Bietet dein CMS eine Seitenliste an, zieh sie ebenfalls heraus. Markiere danach die Seiten, über die Anfragen kommen oder die in Google gut gefunden werden.

Gib diese Liste deinem Dienstleister mit der Bitte, die Spalte „neue URL“ auszufüllen. Daran siehst du sofort, ob jede wichtige Seite ein passendes Ziel bekommt. Wenn du für diesen Schritt Unterstützung bei deinem Relaunch suchst, kannst du dich gern bei mir melden.

Weiterlesen im Ratgeber

Alle Artikel